Achtsamkeit

Vortrag gehalten am Frauengesundheitstag 2007 an der VHS Rheinfelden/Baden
Durch Achtsamkeit zur Gelassenheit
Frauen erkranken im Vergleich zu Männern rund doppelt so häufig an psychischen Krank-heiten. So das Ergebnis einer bundesweiten Auswertung der Krankheitsdaten der Kauf-männischen Krankenkasse (KKH).
Warum nur?
Weil Frauenherzen eben anderes schlagen? Weil wir uns viel mehr zu Herzen nehmen als Männer? Mehr, aber vor allem andere Gedanken machen?

Der Herzschlag gibt einen Takt an, wie das Pendel einer Uhr schlägt es – tick tack tick tack. Wenn uns Gefühle treffen, dann ist der Ausschlag stärker.
Oh daran soll sich nichts ändern, denn wir wollen weiterhin vom Glücksgefühl sehr viel haben.
Nun müssen wir ja auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, aber wir können selbst bestimmen was uns ans Herz gehen soll und was nicht.
Dazu möchte ich ihnen die erste Lektion erzählen, die mir mein Zenmeister beigebracht hat.
Lob – Tadel – Lob – Tadel und immer reagierte ich. Mit Stolz und Enttäuschung, mit Misstrauen und Zweifel. Bis ich begriff: Er spielt mit meinen Gefühlen Klavier. Er sagt etwas und sofort erzeugt er ein Gefühl. Er hat mich in der Hand – es sei denn ich bleibe gelassen, egal was er sagt.

Wenn es regnet, können wir es nicht ändern, auch wenn wir uns ärgern. Dieser Ärger ist vergeudete Energie, denn es wird weiter regnen.
Die Tasse Kaffee, die wir umgeschüttet haben können wir nicht mehr in die Tasse zurück befördern. Also ist das einzig Richtige aufwischen, vergessen, neuen Kaffee eingießen und genießen.
Aber wie oft genießen wir die neue Tasse Kaffee doch nicht, weil wir uns über unsere Tollpatschigkeit weiter ärgern. Aber mit welchem Nutzen?
Wenn wir vor einer Aufgabe stehen, dann sollten wir nicht an ein Scheitern denken, denn wir sind noch nicht gescheitert.
Und wenn Sie es genau betrachten, dann ist es nicht die Aufgabe an sich, die uns Mühe macht, sondern unsere Gedanken und Vorstellung über Wahrscheinlichkeiten, Eventuali-täten. Wir regen uns über etwas auf, was nicht ist.
Wie oft hören wir die Frage: Warum regst du dich eigentlich so auf?
Eine nervtötende Frage, wenn sie von jemand anderen kommt, aber eine sehr gute Frage, wenn wir sie uns selbst stellen.
Warum regen wir uns auf? Weil etwas nicht so läuft wie wir es gerne hätten. Weil es nicht unserer Vorstellung entspricht. Ok – dann sollten wir den Dampf ablassen und dann un-sere Vorstellung überprüfen möglicherweise ändern.
Achtsamkeit ist die Anwendung der vollen Konzentration auf die Wahrnehmung. Auch auf die Wahrnehmung der Gedanken. Aber es bedeutet nicht zwangsläufig auch etwas ändern. Es kann auch akzeptieren sein von dem was gerade jetzt ist.
Im weiteren bedeutet es nicht urteilen sondern nur wahrnehmen und gelassen bleiben.
Achtsam sein bedeutet, ganz in der Gegenwart, im Hier und Jetzt zu sein und sich seiner Gefühle, Gedanken und Handlungen in jedem Augenblick voll bewusst zu sein.
Zur Gelassenheit bringt einen die Achtsamkeit aber nur, wenn man nicht beurteilt. Man ist quasi wie ein Zeuge, der außerhalb des Geschehens nur wahrnimmt, alles was ist nur wahrnimmt.
Dazu passt ein Gebetsspruch der Anonymen Alkoholiker:
Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

Buddhisten üben sich in Achtsamkeit durch Meditation. Der 8fache Pfad des Buddhas heißt:
rechtes Verstehen
rechtes Denken
rechtes Reden
rechtes Handeln

Verstehen muss man, dass alles Leiden von den Begierden kommt. Weil wir Sonnenschein begehren, ärgert uns der Regen.
Das Abschaffen der Begierden führt laut Buddha zu Leidfreiheit.
Durch Achtsamkeit zur Gelassenheit heißt mein Referat.
Achten Sie auf ihre Gedanken! Gedanken ohne realen Boden, Hirngespinste, Phantasien – wenn sie ungesund sind und nur belasten sollten wir ändern. Was wir begehren und nicht bekommen können versucht Ärger und Leid.
Denken sie an etwas Aufbauendes, Erfreuliches, holen sie sich selbst wieder runter von der Palme, auf die ihre Gedanken sie gebracht haben.

Achtsamkeit öffnet den Zugang zur Wahrnehmung der eigenen körperlichen und emotionalen Befindlichkeit. Achtsamkeit als bewusste, gewollte Tat, die Aufmerksamkeit absichtsvoll auf einen Gegenstand oder die Gedanken gerichtet. bedeutet auch, dass erhöhte Achtsamkeit mit erhöhter Bewusstheit gleichzusetzen ist. Bewusstheit ermöglicht erweiterte, verfeinerte und vertiefte Wahrnehmung im Innen und Außen.

Gelassenheit, Gleichmut oder innere Ruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren.
Während Gelassenheit den emotionalen Aspekt betont, bezeichnet Besonnenheit die ü-berlegte, selbstbeherrschte Gelassenheit, die besonders auch in schwierigen oder heiklen Situationen den Verstand die Oberhand behalten lässt, also den rationalen Aspekt von innerer Ruhe.
Als Fachbegriff in der christlichen Mystik bezeichnet Gelassenheit das gewollte Geschehen-lassen des Willens Gottes gemäß der Vaterunser-Bitte „Dein Wille geschehe"

Achtsamkeit ist eine grundlegende Übung. Ein selbstreflexives, fortwährendes gleichmütiges Wahrnehmen der eigenen inneren Zustände.
Ein genaues Achtgeben auf sich selbst. Die Übung betrifft zuerst die Wahrnehmung von Freude und Schmerz, Lust und Leid. Später dann die Beherrschung des Ausdrucks, der Reaktion.
Diese Reaktionen zu »managen« ist ein erster Freiheitsschritt des Menschen in Bezug auf sein emotionales Leben. Beherrschen statt sich beherrschen lassen.
Der Mensch wächst in sich und später über sich selbst hinaus, er kann Ich und mehr als Ich zugleich sein und beginnt die Wunde, die zwischen Gefühl und Verstand klafft, zu heilen. Er steht am Anfang eines spirituellen Weges.