A - wie Atem und Achtsamkeit

In meinem eigenen Lebens-ABC steht unter A noch:

Atem und Achtsamkeit

In der Zen-Meditation, die ich seit über 30 Jahren praktiziere, sollte ich am Anfang die Achtsamkeit auf den Atem lenken. Die Aufgabe war, meine Atemzüge zu zählen, von 1-10 und dann wieder von vorne zu beginnen.

Ich erinnere mich gut, dass ich es eine lächerliche Aufgabe fand, nur um dann festzustellen, dass es doch nicht so einfach ist. 25 Minuten lang nur Atemzüge zu zählen, nur auf den Atem zu achten, nur das. Meine Gedanken schweiften ab. Nach ein paar Minuten zählte ich mechanisch und wusste plötzlich nicht mehr, hatte ich den achten Atemzug schon gemacht oder musste ich ihn noch machen? Oder ich erwischte mich dabei, dass ich schon mit meinem Zählen bei dreizehn war, dabei sollte ich doch bei zehn wieder von vorne anfangen. Es war mühsam und eine erheblich Achtsamkeit nötig, um diese so simple Aufgabe zu erfüllen.

Sie machte mir deutlich, dass ich auf mehr als nur einer Ebene denke. Und dass ich mir der Gedanken auf der zweiten Ebene nicht immer bewusst bin. Nicht ich denke, sondern es denkt in mir. Diese Erkenntnis hat mich erschüttert. Ich war nicht wirklich Herr in meinem eigenen Kopf!  Das musste sich ändern!

Und so habe ich angefangen auf meine Gedanken zu achten, auf die vordergründigen und die dahinter.

Denn es heisst:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

(Quelle nicht eindeutig belegt, der Text wird dem Talmud, Mahatma Gandhi oder Charles Reade zugeordnet, könnte aber auch ein chinesisches Sprichwort sein)

In der 7-Meister-Meditation steht auch die Achtsamkeit auf den Atem an erster Stelle. Hier ist nicht Zählen die Aufgabe, sondern die Atembewegung mit dem Denken zu begleiten. Also das Wort einatmen zu denken wenn ich einatme, und ausatmen zu denken wenn ich ausatme. Ich bringe Denken und Tun in Einklang.

Auch bei dieser Übung nehme ich zusätzliche Gedanken wahr. So habe ich viel über mich selbst erfahren. Nicht alles war schmeichelhaft.

Die Achtsamkeit auf den Atem ist aber nicht auf eine Meditationszeit beschränkt. Wenn ich telefoniere und auf die Verbindung warte, wenn ich warten muss bis mein PC hochgefahren ist, denke ich einatmen, wenn ich es tue, und ausatmen, wenn ich es tue, manchmal nur zwei oder drei Mal.

Das ist Achtsamkeit im Alltag.


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