T – Trauer

Nachdem ich über den Tod geschrieben habe, erscheint es mir logisch, dass ich auch über die Trauer schreibe. Denn so wie wir am Tod nicht vorbeikommen, so auch nicht an der Trauer, wenn uns etwas Liebes genommen wurde.

Das haben wir als Kinder erlebt, wenn das Lieblingsspielzeug kaputt ging, waren wir untröstlich. Das haben wir beim ersten Liebeskummer durchgemacht und alle guten Ratschläge halfen nicht gegen den Schmerz. Solche Augenblicke gehören zu unserer Entwicklung. Und auf diese Erfahrungen passt die alte Volksweisheit: Die Zeit heilt alle Wunden.

Wenn aber ein geliebter Mensch stirbt ist es anders.

Bei manchen Menschen löst der Tod eine Art Schockstarre aus, besonders wenn er unvorbereitet kommt. Geht ihm aber eine längere Leidenszeit voraus, war man selbst nur noch hilflos und verzweifelt, dann ist der Tod ein Befreier und die Reaktion ein «sich endlich fallen lassen dürfen», bei beiden – dem Gestorbenen und den Zurückgebliebenen.

Dann kommt die Trauer um den Verlust erst später, aber sie kommt und darf, sollte sogar, zugelassen werden. Es fehlt die vertraute Stimme, da bleibt ein Platz leer - dann überfällt uns die Trauer und entlädt sich gesunderweise in Tränen.

Es sind oft die Erinnerungen, die Trauer auslösen, aber sie können auch Trost spenden und uns dankbar sein lassen. Es sind die Gedanken, die das Gefühl entstehen lassen. Gedanken aber kommen und gehen wieder, wenn wir nicht an ihnen festhalten.

Erlauben wir uns zu trauern, aber achten wir darauf, nicht darin zu versinken. Nicht mehr zu trauern, bedeutet nicht, dass wir nicht mehr im Herzen traurig sind, es fehlt uns eben jemand. Es bedeutet auch nicht, dass wir vergessen, die Erinnerungen kommen immer wieder.

Nicht mehr zu trauern heisst vielmehr, sich dem Lebensstrom zu überlassen und wieder mit zu schwimmen in diesem Fluss des Lebens. Mein Mann hätte das gewollt und ich bin sicher, alle Verstorbenen wünschen das für die Zurückgebliebenen.

 

Wenn Gott, der Lauf der Zeit, das Leben oder wie immer Sie es sehen wollen, uns eine Aufgabe gibt, dann gibt er/sie/es uns auch die Kraft, um wieder aktiv am Leben teilzuhaben.

 

Ein jegliches hat seine Zeit, sagt der Prediger Salomon im Buch Kohelet. Trauern und Rückzug hat seine Zeit, wieder Freude an und im Leben finden hat seine Zeit. In diesem Sinne dürfen wir der Zeit vertrauen, wenn auch eine Narbe auf unsere Seele bleibt.