E – Endgültigkeit

Da ich in den letzten Tagen über den Tod geschrieben habe, bietet es sich an, mich dem Wort Endgültigkeit zuzuwenden. Denn der Tod ist die ultimative Endgültigkeit in unserem Leben.

 

Nach dem Tod meines Mannes habe ich lange gebraucht bis mir diese Endgültigkeit wirklich bewusst wurde. In den ersten Tagen war er einfach nicht da. Er war zweimal in Indien ohne mich und das für drei bzw. vier Wochen. Damals war ich auch allein im Haus. Er hatte seine eigenen Termine ausser Haus, ich meine – und so kam mir seine Abwesenheit oft erst am Abend zum Bewusstsein.

 

Endgültigkeit – darin stecken die Worte Ende und Gültigkeit.

 

Ich musste dem Ende seine Gültigkeit geben. Denn was gilt am Ende wirklich noch?

 

Die Erkenntnis, dass nichts bleibt.

 

Wie der Atem kommt und geht, die Gedanken kommen und gehen, die Erde sich dreht und dem Tag die Nacht folgt, so kommt und geht das Leben, so folgt auf die Geburt der Tod. Wie viele Dinge sind inzwischen für mich endgültig vorbei?

 

Altersbedingt kann ich Einiges nicht mehr, die Kraft ist weg, die Beweglichkeit nicht mehr wie noch vor ein paar Jahren, ich bin kleiner geworden und erreiche in den Schränken nicht mehr alles so einfach.

 

Aber «endgültig vorbei» beginnt schon früher. Die Kindheit – endgültig vorbei. Die Sturm- und Drangzeiten – endgültig vorbei. Das Berufsleben – für mich endgültig vorbei. Als Kind wollten wir endlich gross werden. Als Jugendliche endlich erwachsen. Als Berufstätige sehnten wir uns nach etlichen Jahren Arbeit danach in Rente gehen zu können.

 

Dann – wenn das endlich erreicht ist, ja dann…..

 

Aber was ist oder war dann? Haben wir umgesetzt, was wir uns damals erhofften. Die Freiheit im Erwachsenenalter wurde eingeschränkt durch die Pflichten des Berufes. Zwar durften wir rein rechtlich tun und lassen was wir wollten, aber das hatte seinen Preis.

 

Im Alter sind es manchmal körperliche Einschränkungen, die unsere hochfliegenden Träume platzen lassen. Wie also leben mit dem Bewusstsein der Endgültigkeit? Ich glaube, wir können einfach nur leben. Den Augenblick leben, erleben, auskosten, wenn er schön ist und aushalten, wenn er mühsam ist.

 

Augenblick fliesst zu Augenblick – wir haben immer nur das JETZT.

Wann ist also unsere beste Zeit – JETZT.

Jetzt und wieder Jetzt bis zum Ende. Bis zum Ende behält das Jetzt seine Gültigkeit.