V – Vergänglichkeit

Der Tod war für einige Zeit ein Thema, aber ich will es nun abschliessen und da passt doch die Vergänglichkeit sehr gut.

Vergänglichkeit heisst Vergangenheit. 


In der Meditation machen wir uns das immer wieder bewusst. Wir achten auf den Atem, wie er kommt und geht. Wir können ihn nicht festhalten. So wie wir nichts wirklich festhalten können. Das Leben ist Bewegung, ist ein immerwährendes Fliessen.


Der Atem fliesst, die Gedanken fliessen, das Leben fliesst.

Wenn wir uns der Vergänglichkeit bewusst sind, gewinnt jeder Augenblick. Denn auch Augenblick fliesst zu Augenblick. Wir haben nur das JETZT und auch dieser Augenblick ist vergänglich. Aber wie oft sehnen wir uns nach der Vergangenheit oder macht uns die Erinnerung an Vergangenes das Leben schwer.

Da alles vergänglich ist, sind wir regelrecht gezwungen loszulassen. Sind wir aber innerlich darauf eingestellt loslassen zu müssen, immer und immer wieder, dann ist es kein Zwang mehr, sondern eine Hilfe.

Ich habe versucht dieses «Loslassen» zu üben. Immer an Silvester gebe ich mir ein Motto für das neue Jahr, fasse ich einen Vorsatz. Aber dieser Vorsatz muss erfüllbar, muss realistisch sein. In einem Jahr hatte ich mir vorgenommen: Jede Woche verlässt ein Teil das Haus.


Wir hatten sowieso viel zu viel und mal auszumisten war eine gute Idee. So wurden Bücher weggeben, z.T. in die Dorfbibliothek gebracht. Da wurden an den Fersen dünn gewordene Socken weggeworfen oder noch gute Kleidung, die wir aber drei -vier Jahre lang nicht angezogen hatten in die Kleiderkammer gebracht.


Das Loslassen tat nicht weh, im Gegenteil. Es war jedes Mal ein gutes Gefühl – wieder hatte ein Teil das Haus verlassen und es gehabt zu haben war eben Vergangenheit. Dieser Vorsatz hat länger als ein Jahr gehalten, er wurde zu einer Gewohnheit. 


Ein paar Jahre später habe ich mir sogar einen «Aufräum-Coach» geleistet. Mit dieser Frau habe ich meinen Kleiderschrank durchforstet. Sie hat mich nicht gezwungen etwas wegzugeben, mir aber sehr deutlich gemacht – alles ist vergänglich, halte nicht unnötig daran fest, es ist Ballast.

 

Wovon ich mich aber beim besten Willen nicht trennen konnte oder wollte, bekam einen besonderen Platz im Schrank: Liebgewonnenes mit Erinnerungen. Meinem Kleiderschrank hat es gutgetan und ich fühlte mich leichter. Falls jemand in der Schweiz Interesse hat: www.gabriele-frei.ch

So ist es auch mit manchen Erinnerungen, sie können Ballast sein. Vergessen werden wir vieles wahrscheinlich nicht, aber wir können uns im Erinnerungsspeicher eine Schublade vorstellen mit schönen und eine mit weniger schönen Erinnerungen. Macht sich mal die eine Schublade auf und belastet uns, entscheiden wir einfach in die andere zu schauen.

Wenn wir an Gegenständen nicht hängenbleiben, dann schaffen wir es auch leichter nicht an Gedanken hängenzubleiben. Wir üben uns im Loslassen und stellen uns der Tatsache – alles in dieser Welt ist vergänglich, das Schöne und das Unschöne.